Kommentar: BOEING & VW ERKLÄREN SYSTEM BANKROTT

„Wenn Unternehmen in Jahreszyklen denken, werden Menschen vergiftet und Flugzeuge fallen vom Himmel.“

Text Max Ohnmacht, Bilder Wikipedia

Der größte Auto- & der größte Flugzeughersteller der Welt haben bewiesen, weder zu moralisch noch zu ökonomisch verantwortungsvollen Entscheidungen in der Lage zu sein.

Volkswagen, der größte Automobilkonzern der Welt, hat über Jahre Millionen seiner Autos so gebaut, dass sie deutlich mehr Gift in die Luft pusten als angegeben und erlaubt. Mittel zum Zweck: eine Software, welche die konstruktionsbedingten Schwächen der Dieselmotoren einfach wegsimuliert.

Den Schaden an der öffentlichen Gesundheit, sowie das geschäftliche Risiko, welches jedem schmutzigen Geheimnis innewohnt, nahmen die Entscheider in Kauf. Wie viele Menschen mit den gesundheitlichen Folgen dieses Vergehens leben oder sogar sterben müssen, wird sich nie zweifelsfrei sagen lassen.

Was sagen die Volkswagen Mitarbeiter zum Abgasskandal?

Die Parallelen zum Fall Boeing drängen sich in den Augen des Museums geradezu auf: Um die Entwicklungskosten für ein neues Flugzeug niedrig zu halten, vertuschte auch der weltgrößte Flugzeughersteller einen konstruktionsbedingten Mangel mit Hilfe einer Software. Die Piloten wurden über die Existenz dieser neuen Software nicht informiert. Boeing schämte sich offenbar seiner Existenz.

Wirklich fatal wird es leider jetzt: Denn diese Software erwies sich als so katastrophal fehlerhaft, dass sie bereits zwei brandneue, vollbesetzte Flugzeuge vollautomatisch in den Absturz steuerte. 348 Menschen bezahlten mit ihrem Leben. Das so etwas in einer Industrie, in der Sicherheit offiziell und immer als oberstes Gebot gilt überhaupt passieren kann, ist ein Schock. Wie konnten die Entscheider dieses Risiko in Kauf nehmen?

Zyniker wird es freilich nicht überraschen, dass Unternehmen regelmäßig Profit über ihre moralische Integrität stellen. Aber selbige Zyniker kommen an der Feststellung schwerlich vorbei, dass die unentschuldbaren Moralvergehen von Boeing und VW auch ökonomisch irrational waren. Denn die Schäden, die fürs Geschäft beider Hersteller entstanden sind, dürften die eingesparten Entwicklungskosten überschreiten.

Die Frage, die sich daraus ergibt, lautet nach Auffassung des Museums: Was läuft falsch in diesen Organisationen, wenn sie zu so katastrophalen Entscheidungen kommen?

Das Museum wagt darauf keine abschließende Antwort zu geben, liest den Sachverhalt aber als deutliches Indiz für einen tief verankerten Fehler im System der Share Holder Value Firma in ihrer gegenwärtigen Ausprägung. Als minimal Korrektiv empfiehlt das Museum, dass sich jeder Einzelne vor dem nächsten Flugzeugkauf die Modelle des Konkurrenten Airbus doch nochmal etwas genauer anschauen möge. Beim Autokauf erlaubte sich das Museum ja bereits im vorangegangenen Beitrag eine Empfehlung.

Autor: Max Ohnmacht

A hopeless enthusiast for everything in motion, a careful observer of the ways transportation forms and transforms society, Max Ohnmacht has taken on the post of director of the online-first-and-only Transport Museum (www.TRANSPORTMUSEUM.net).

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