Manifest: BERLIN AUTOFREI 2030 (Teil 1)

„We chose to go to the moon, not because it is easy, but because it is hard”

JFK

Unsere aktuellen Transportgewohnheiten bringen das Klima unseres Planeten durcheinander. Jahrhunderte alte Gleichgewichte werden umkippen und ganze Lebensräume unter ihren Trümmern begraben. Können wir zukünftigen Generationen das zumuten? Nein, können wir nicht. Wir müssen unsere Transportgewohnheiten also ändern. So weit, so bekannt, so wirkungslos.

Die aktuelle Debatte für eine nachhaltige Zukunft droht insbesondere in der Verkehrsfrage zu einem erbitterten Grabenkampf zu werden. Auto- gegen Radfahrer, Dieselbesitzer gegen Vegetarier, Konservative gegen Progressive, Junge gegen Alte, Arme gegen Reiche. In digitalen Feedback-Loops verstärkt sich das Echo der eigenen Auffassungen dabei so sehr bis das „wir“ gegen „sie“ die Empfänglichkeit für vernünftige Argumente im Keim erstickt.

Das Transportmuseum vertritt die Auffassung: So wird das nichts!

Um eine Verkehrswende tatsächlich zu realisieren, braucht es eine vereinende Vision, welche die bessere Zukunft für viele glaubhaft verkörpern kann. Eine Vision, die nicht auf Verzicht und auf Verboten basiert, nicht auf Neid und Rache, nicht auf Rechthaben und „told-you-so“, sondern eine Vision, welche im Ergebnis unsere Welt ein bedeutsames Stück verbessert. Einfach, aber glaubwürdig. Vielschichtig, aber kraftvoll. Mutig, aber inklusiv.

Wem gehört eigentlich die Stadt, Herr Auto?

Das Transportmuseum glaubt an eine solche Vision: Die Autofreie Stadt.

Diese Vision ist einfach, weil sich unter diesen zwei Worten fast jeder etwas vorstellen kann. Eine Stadt, wie heute, nur ohne Autos. Augen zu und kurz vorstellen… Wow!

Um sich auf die Vision einzulassen, hilft es die Worte „ja, aber…“ für einen Moment aus dem Gedankenrepertoire zu streichen, die gesamte Vorstellungskraft zusammenzunehmen, die Augen zu schließen und sich auszumalen wie sich der Lebensraum Stadt verändern würde, wären die Autos nicht da. Die Bäume rauschen lauter als der Verkehr… Menschen, nicht Autos bevölkern die Straßen, flanieren, spielen, fahren Fahrrad… Kinder gingen zu Fuß in die Schule, ohne dass Eltern beim erklingen eines Martinshorns darum bangen müssten, ihr Nachwuchs wäre von einem Fahranfänger überfahren worden. Die Stadt würde menschlicher, sicherer, sauberer. Dass sie dabei auch energieeffizienter wird, ist nicht der größte Vorteil für jeden Einzelnen. Sondern ein positiver Nebeneffekt.

“Wer [keine] Visionen hat, soll zum Arzt gehen.”

Helmut Schmidt

„Ja, aber…“, will man einwenden, wieder und wieder. Was ist mit dem Lieferverkehr? Was ist mit der Polizei? Was ist mit alten Menschen? Was ist mit Pendlern? Doch wir sagen für den Moment: „pssst!“. Kein „ja, aber…“! Als John F. Kennedy ankündigte, innerhalb einer Dekade einen Menschen auf den Mond schicken zu wollen hätte man mit „ja, aber das geht doch gar nicht“-Argumenten ganze Büchereien füllen können. Ja, aber … es ging eben doch!

Stehender Stahl stiehlt Stadt still Stil.

Im Vergleich zur Autofreien Stadt, war das amerikanische Apollo Programm ein vergleichsweise sinnloses Projekt, welches an der konkreten Lebenswirklichkeit der meisten Menschen nicht viel Greifbares verbessert hat. Unsere Generation hat nun die Chance, aus gegebenem Anlass den städteplanerischen Kapitalfehler des letzten Jahrhunderts, Städte für das Auto zu planen, anstatt für den Menschen, wiedergutzumachen. Es wird schwierig und es wird zunächst teuer. Doch es ist eben nicht eine abstrakte, oktroyierte ökologische Notwendigkeit, sondern eine Möglichkeit, die Lebensqualität in unseren Städten auf ein völlig neues Niveau zu heben.

Wie sagte JFK? „We chose to go to the moon, not because it is easy, but because it is hard.” Und so ist es auch heute, wenn wir die größte Herausforderung unserer Zeit endlich als Chance verstehen. Als Chance nicht nur nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen, sondern auch als Chance zu unseren Lebzeiten unsere Welt für uns zu verbessern.

Worauf warten wir also? Packen wir es an! Verwandeln wir die Vision Autofreie Stadt in ein umsetzbares, inklusives, realistisches Konzept.

(Fortsetzung folgt.)

Autor: Max Ohnmacht

Enthusiast for everything in motion, observer of the ways transportation forms and transforms society, Max Ohnmacht has taken on the post of director of the online-first-and-only Transport Museum (www.TRANSPORTMUSEUM.net).

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