Ausprobiert: SIXT SHARE MACHT VIELES RICHTIG

“Sixt Share macht das eigene Auto von allen Carsharing Anbietern am überflüssigsten.”

Bilder & Text: Lukas von Rantzau

Wer in sporadischen Abständen die Deutsche Bundeshauptstadt besucht, muss den Überblick über die hiesig blühende Landschaft an Mobilitäts- und Sharingdienstleistern längst verloren haben. Ständig treten neue Anbieter auf den Plan, während alte klanglos verschwinden. Ob das Neue auch Innovatives und vielleicht gar Besseres bringt, hat der beigeordnete Generalsekretär des Transport Museums am Beispiel des neuen Carsharing Dienstes der Firma Sixt ausprobiert. Er findet viel Gutes, wenn auch eine zentrale Frage weiter ohne Antwort bleibt.

Der Autovermieter Sixt ist Carsharing Pionier, bildete seit 2011 gemeinsam mit BMW das JointVenture hinter dem Branchenriesen DriveNow. Seit letztes Jahr bekannt wurde, dass sich DriveNow mit dem vom Daimler Konzern geführten Marktführer Car2Go zu ShareNow zusammentun würde, stand neben der Frage, wer oder was eigentlich ins Bundeskartellamt gefahren ist, die Fusion zweier Marktführer zu erlauben auch eine zweite Frage im Raum: was nun, Frau Sixt?

Spätestens seit bekannt wurde, dass Sixt die DriveNow in Bewegung haltende Software für sich behalten würde, war absehbar: Sixt möchte selbst ins Sharing-Geschäft einsteigen. Und so kam es nun auch.

Ein passendes Elektroauto hatte der VW Konzern wohl nicht parat. Deshalb Renault Zoe.

Sixt Share heißt der neue Service, der Anfang März in Berlin einzog. Über tausend Neuwagen des VW Konzerns (und einer Handvoll Renault Zoes fürs grüne Gewissen) bevölkerten über Nacht Berlins Parkplätze. Begleitet wurden sie von tausenden, orange-tapezierten Plakatwänden, die in vulgärer Sixt Manier verkündeten: „Sixt Share. Carsharing in geil.“

Dem Claim können wir per se zwar wenig abgewinnen, aber neugierig sind wir trotzdem. Und wie sich nach einem umfassenden Test herausstellte, macht Sixt tatsächlich einiges anders als die Konkurrenz. Und wie wir finden auch tatsächlich besser:

Die Grenze zwischen Carsharing und Autovermietung ist verschwunden

Die Sixt Share Autos können wie von Car2G0 & Co gewohnt, minutenweise innerhalb der Stadt angemietet werden. Neu ist aber, dass die Autos deutschlandweit an jeder beliebigen Sixt Station zurückgegeben werden können. Das macht die Sixt Share Autos zu vollwertigen Mietwagen!

Der Preis berechnet sich dabei zunächst wie gewohnt auf Minutenbasis, ist aber durch einen Tageshöchstpreis gedeckelt. So kostet ein Golf beispielsweise 30 Cent pro Minute (mehr dazu siehe unten) aber höchstens 59€ am Tag, welche dann 200 km und den verfahrenen Treibstoff beinhalten – äußerst konkurrenzfähig.

Flexible Preise für eine nachfragegerechte Verteilung

Anders als bei anderen Anbietern sind die Minutenpreise nicht fix, sondern variieren nach Tageszeit, Ort und anderen Faktoren, welche sich dem Nutzer nicht vollends erschließen. Dies sorgt bisweilen nicht selten dafür, dass die Sixt Fahrzeuge günstiger zu mieten sind als die der Konkurrenz und ist nach Ansicht des Museums ein geeignetes Instrument, um eine optimale Verteilung der Autos im Geschäftsgebiet zu erwirken.

Mangelnde Transparenz bei der Preisgestaltung birgt allerdings die Gefahr unlauterer Diskriminierung. Es kursierten bereits Gerüchte, dass Android User im Durchschnitt niedrigere Preise angeboten bekämen als iPhone Nutzer. Wäre das überhaupt legal? Das Museum hat Zweifel, wäre aber nicht überrascht, wenn der Gesetzgeber auf diese Variante der digitalen Diskriminierung noch weitgehend unvorbereitet wäre.

Die Flotte? Bunt und flott

Die Sixt Share Flotte reicht von besagten Renault Zoes über dreizylindrige Golfs bis zu gut ausgestatteten Audi A4 und Passat Kombis mit kräftigen Dieselmotoren.

Dass sich die Autos nicht in den faden Einheitslackierungen und Sticker-Verzierung von zweifelhafter Schönheit präsentieren, sondern verschiedene Farben und meist nur einen dezenten Schriftzug aufweisen, findet das Transport Museum gut.

Sixt macht ernst: Eine App für alles

Anstatt eine neue App zu schaffen, integriert Sixt das Sharing Angebot in die bestehende Sixt App, mit der konventionelle Mietwagen gebucht werden können und der Sixt Fahrdienst bestellt werden kann.

Konsequenterweise funktioniert dann auch die gesamte Bedienung des Sharing Dienstes per App. Die Autos werden per App auf und abgeschlossen, selbst die Tankrechnung wird über die App beglichen.

Das alles auf Anhieb und ohne Schwierigkeiten funktioniert, ist in der Szene nicht unbedingt üblich. Das Transport Museum zieht daraus den Schluss: Sixt hat nicht gespart, sondern die stationslose Autovermietung zur Zukunft erklärt.

Außerdem meint es ernst mit dem Geschäftsumbau zum Mobilitätsdienstleister und ist seinem nun ärgesten Konkurrenten, ShareNow, sogar bereits eine Nasenlänge voraus. Womit im übrigen bereits beide der oben aufgeworfenen Fragen beantwortet wären: Frau Sixt hat Großes vor. Und das Kartellamt wusste wohl, dass der beinahe Platzhirsch ShareNow nicht gelassen werden würde.

Eine App für alle Sixt Dienstleistungen

Ein Fazit mit dem wir uns nicht leicht tun: Empfehlenswert…

Lobeshymnen für aktuell verfügbare Produkte oder Dienstleistungen sind nichts, womit sich das Museum ohne gute Gründe die Finger schmutzig machen möchte. Werbung ist nicht unser Auftrag. Und grundsätzlich herrschen in den Gemäuern des Museums auch kritische Gedanken gegenüber der undurchsichtigen, bayrischen Mietwagenfirma und ihrem zuweilen machohaften Selbstverständnis vor. Doch dieser neue Sharing Dienst bedient eine lange, geheime Wunschliste des Museums nach „Carsharing done right“, weshalb wir uns mit unserem Applaus auch nicht unnötig zurückhalten wollen.

Ein Sixt Share Passat Kombi nimmt ein verdientes Sonnenbad

… doch ein gewichtiges Bedenken besteht fort

Unberührt von all diesen Beobachtungen bleibt selbstredend die weit wichtigere Frage ob Carsharing auf dem Weg zur autofreien Stadt überhaupt einen sinnvollen Zwischenschritt darstellt, oder nicht den Stadtverkehr in Wahrheit verdickt, anstatt ihn, wie gerne behauptet, zu verdünnen. Mit diesem Aspekt wird sich das Museum in Zukunft gewiss noch auseinandersetzen müssen.

Autor: Max Ohnmacht

Enthusiast for everything in motion, observer of the ways transportation forms and transforms society, Max Ohnmacht has taken on the post of director of the online-first-and-only Transport Museum (www.TRANSPORTMUSEUM.net).

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